Graureiher-am-Teich
Artikel vom 23. November 2011

Abwehr gegen Reiher

Wir als Greifvogelstation müssen uns auch mit anderen Vogelarten wie zum Beispiel dem Reiher auseinander setzen, oder viel mehr mit der Abwehr gegen Reiher.

Wir möchten aus gegeben Anlässen unbedingt darauf hinweisen und aufklärend wirken, dass die Abwehr von Reihern mittels Nylonschnüren sehr fahrlässig gegenüber anderen Vogelarten ist.

Wir vermuten, dass den Verursachern häufig nicht bewusst ist, welch einen Schaden gespannte Nylonschnüre am Teich anderen Tieren zufügen können. Wir hatten erst kürzlich zwei Tiere in unsere Station eingeliefert bekommen, welche sich nachweislich in solchen Reiherabwehrschnüren verfangen haben und sich dabei schwer verletzt haben. Erst vor ein paar Wochen erhielten wir eine Waldohreule, welche sich an beiden Flügeln durch Befreiungsversuche schwer verletzt hatte. Im Flügel hing noch ein Rest der Schnur, welche sich sehr unglücklich um die Federn verwickelt hatte.

Diese Waldohreule ist an einer Reiherabwehrschnur verunfallt

An Reiherabwehrschnur verunfallte Waldohreule

An Reiherabwehrschnur verunfallte Waldohreule

Die Schnur hatte sich so heillos im Flügel verknotet, dass zur Entfernung der Vogel sogar kurz mit Narkose betäubt werden musste, damit man in Ruhe im Gefieder arbeiten konnte ohne die Federn zu zerstören. Unglücklicherweise handelte es sich aber gerade um eine Eule, die sich in der Mauser befand und zu diesem Zeitpunkt die äußeren Handschwingen neu wuchsen. Wenn Federn bei einem Vogel neu wachsen, werden sie dabei durchblutet und während diesem Wachstumsprozesses versuchte sich die Eule mit Flügelschlägen zu befreien. Sie schlug sich die wachsenden Federkiele wund.

Da wir die Eule nach Genesung und abwarten des Federwachstums wieder am Fundort frei gelassen haben, konnten wir den “Fundort Garten” mit Fischteich mit eigenen Augen begutachten. Ein Bild des Schreckens zeigte sich, denn es war viel schlimmer als wir uns jemals gedacht hätten. Die Besitzer eines vermutlich 1000 m2 großen, schön angelegten Gartens hatten den kompletten Garten, also weitaus mehr Fläche als der recht kleine Teich, mit Nylonschnüren kreuz und quer in Höhe von circa zwei Metern abgespannt.

Wir wiesen die Besitzer dieser “Schnuranlage” darauf hin, dass soetwas unverantwortungsvoll den gesamten Vögeln gegenüber wäre incl Fledermäusen. Tagaktive Vögel, sowie nachtaktive Vögel können die Gefahr nicht wahr nehmen und bleiben im Flug in solch einer Schnur verhängnisvoll hängen. Sie können verletzt im Schock sterben, Beute werden von anderen Tieren oder sich die Flügel brechen und ausrenken.

Nun können wir noch einen weiteren Fall dokumentieren, diesmal ein Waldkauz. Auch dieser wird sicher im abendlichen Tiefflug in eine solche Abwehrschnur geflogen sein. Er versuchte sich durch Abwehrbewegungen zu befreien und verrenkte sich dabei unglücklich.

Dieser Waldkauz verunfallte an einer Reiherabwehrschnur

Zur Zeit zeigt der Flügel eine Lähmung und der Vogel ist daher jetzt flugunfähig. Diese Schnur konnten wir aus dem Gefieder entfernen.

Waldkauz mit Flügelverletzung

Waldkauz mit Flügelverletzung

Nylonschnur Waldkauz

Nylonschnur Waldkauz

Wir bitten daher sich genau zu überlegen, ob man Reiher mittels Netzen oder Schnüren abwehren möchte und somit auch eine mögliche Verletzungs- oder Todesfalle für andere Vögel bietet.